This is my first Bachelor’s thesis written back in the winter semester of 2023. Since it was initially written and submitted in German, it is only available in this language for now. I am and will be working on translating the whole thesis as soon as possible.
1. Einleitung
In der digitalen Ära stehen Produktion und Verbreitung von Medieninhalten vor ethischen Herausforderungen. Diese Forschungsarbeit zielt darauf ab, medienethische Grundprinzipien wie Wahrhaftigkeit, Objektivität, Unabhängigkeit und Privatsphäre zu erforschen und ihre Anwendung in der sich wandelnden Medienlandschaft zu diskutieren und ihre Bedeutung in der sich ständig wandelnden Medienlandschaft aus der Perspektive eines Medienwissenschaftlers zu beleuchten.[1]
Die Relevanz dieser Forschung liegt in der heutigen Prägung der Medien unserer Meinungen und Entscheidungen. In einer Zeit, in der ein breites Medienangebot den Alltag prägt, ist es entscheidend, ein Bewusstsein für Medienethik zu schaffen. Das Ziel besteht darin, nicht nur zu einem verantwortungsbewussteren Medienkonsum beizutragen, sondern auch Medienethik als unverzichtbaren Grundpfeiler im Medienbereich zu etablieren.
Die Untersuchung bezieht verschiedene Akteur:innen ein: Konsument:innen, die von einem breiten Medienangebot profitieren; Journalist:innen, die für die Inhalte verantwortlich sind; Medienorganisationen, die diese verbreiten; und Medienwissenschaftler:innen, die eine umfassende Perspektive auf die ethischen Dimensionen der Medienlandschaft einbringen. Jede dieser Gruppen steht vor einzigartigen ethischen Entscheidungen und Dilemmata, die von ihrer jeweiligen Rolle und Verantwortung in der Medienwelt geprägt sind.
Da Medieninhalte global konsumiert und geteilt werden, erstreckt sich die Relevanz dieses Forschungsthemas über internationale Grenzen. Die universellen ethischen Herausforderungen und die Anwendung von Medienethik haben Auswirkungen auf Gesellschaften weltweit.
Die Forschung wird durch die Analyse von Fallstudien, ethischen Theorien und bewährten Praktiken durchgeführt. Dies ermöglicht zu erforschen, wie Medienethik dazu beitragen kann, verschiedene Herausforderungen wie die Ausbreitung von Fehlinformationen oder die Kontrolle von Medienunternehmen zu bewältigen.
Medienethik zielt darauf ab, ethische Prinzipien für verantwortungsbewusstes Handeln in der Medienproduktion, -verbreitung und -rezeption zu formulieren. Die Grundprinzipien wie Wahrhaftigkeit, Objektivität, Unabhängigkeit und Privatsphäre dienen als Leitfaden für die Bewertung ethischer Fragen.
Die Forschung strebt an, durch ein vertieftes Verständnis für Medienethik zu einem verantwortungsbewussteren Medienkonsum beizutragen und ihre Anwendung als fundamentales Element im Medienbereich zu fördern.
[1] Vgl. Wilhelm, Ulrich. Medienethik im digitalen Zeitalter. Freiburg Basel Wien: Herder, 2018.
2. Einführung in die Medienethik
Um die Herausforderungen der Medienethik zu verstehen, ist es von grundlegender Bedeutung, zunächst Klarheit darüber zu schaffen, was genau unter dem Begriff Medienethik zu verstehen ist, welche Definition sie umfasst und welche Funktionen ihr zugewiesen werden können.
Verschiedene Wisenschaftler:innen definieren die Medienethik folgend:
Gemäß Christian Schicha, Professor für Medienethik an der Friedrich-Alexander-Universität ErlangenNürnberg, hat die Medienethik die grundlegende Aufgabe, ethische Regeln für ein verantwortungsbewusstes Handeln in der Produktion, Distribution und Rezeption von Medien zu formulieren. Dabei sollen nicht nur Selbstverpflichtungen der am Medienprozess beteiligten Berufsgruppen, Branchen und Individuen entwickelt werden, sondern auch die Verantwortung des Publikums, der Rezipienten, angemessen berücksichtigt werden.[1]
Die Perspektive von Oliver Bendel, wie sie im Gabler Wirtschaftslexikon dargelegt ist, unterstreicht die Ausrichtung der Medienethik auf die Moral der Medien selbst. Dies schließt nicht nur traditionelle Massenmedien wie Fernsehen, Radio und Zeitungen ein, sondern bezieht auch die Verhaltensweisen der
Benutzer von sozialen Medien mit ein. Die Fokussierung auf Automatismen und Manipulationen durch Informations- und Kommunikationstechnologien schafft eine Verbindung zur Informationsethik.[2]
Daniel Eggers, in seinem Beitrag „Medienethik: Vier populäre Irrtümer“, betont die zunehmende Relevanz der Medienethik in einer Ära, in der die Massenkommunikation nicht mehr nur über traditionelle Medien, sondern auch über das Internet und soziale Medien erfolgt. Die damit einhergehenden moralischen Herausforderungen erfordern eine kontinuierliche ethische Reflexion, da sie oft durch Konflikte allgemeiner moralischer Normen oder Werte gekennzeichnet sind.[3]
Basierend auf diesen Definitionen soll ein gemeinsamer Konsens über die definitive Definition der Medienethik angestrebt werden, an jene in der folgenden Arbeit immer wieder zurückgegriffen wird. Somit lautet die Definition: „Medienethik ist ein systematischer Ansatz, ethische Prinzipien für die Medienproduktion, -distribution und -rezeption zu etablieren. Dies schließt Selbstverpflichtungen der Medienakteur:innen – dazu gehören Journalist:innen, Redakteur:innen, Medienunternehmen, Nutzer:innen, und technologische Akteur:innen – ein und berücksichtigt die Verantwortung des Publikums. Die Betonung der Moral der Medien, sowohl in traditionellen als auch in sozialen Medien, unterstreicht die Vielschichtigkeit dieses Forschungsfeldes, das eine ständige ethische Reflexion erfordert, um den Herausforderungen der sich ständig entwickelnden Medienlandschaft gerecht zu werden.“
[1] Vgl. Schicha, Christian. Medienethik und Medienqualität. in: Zeitschrift für Kommunikationsökologie 2/2003.S. 46
[2] Vgl. Bendel, Oliver. Medienethik. in: Gabler Wirtschaftslexikon. 2010
[3] Vgl. Eggers, Daniel. Medienethik: Vier populäre Irrtümer. in: Publizistik 66, Nr. 3-4 (2021). S. 38.
2.1. Historische Entwicklung
Die digitale Transformation hat die Medienlandschaft fundamental verändert und bringt neue ethische
Fragestellungen mit sich. Während im traditionellen Journalismus professionelle Journalist:innen die Informationsvermittlung dominierten, hat sich diese Dynamik mit dem Aufkommen des Internets und digitaler Medien verändert. Die Fähigkeit, Informationen öffentlich zu machen, ist nicht mehr ausschließlich professionellen Medienakteur:innen vorbehalten, sondern verteilt sich auf eine breite Nutzer:innenschaft, die Blogger:innen, Bürgerjournalist:innen und soziale Medien-Nutzer:innen umfasst. Diese Entwicklung erfordert eine Anpassung der ethischen Normen im Journalismus, um den globalen Einfluss und die Auswirkungen digitaler Medien adäquat zu berücksichtigen.
Ein zentraler Aspekt der Medienethik in der digitalen Ära betrifft die Verbreitung von Informationen. Die Geschwindigkeit, mit der Informationen über digitale Kanäle verbreitet werden können, stellt eine Herausforderung für die Einhaltung von Genauigkeit und Wahrhaftigkeit dar. Darüber hinaus führt die Personalisierung der Medien durch Algorithmen und das Entstehen von Echokammern zu einer Auseinandersetzung mit Fragen der Objektivität und pluralistischen Informationsvermittlung.[1]
Die Studien des Berkman Klein Centers zur Ethik der Digitalisierung betonen die Bedeutung der digitalen Selbstbestimmung und ethischen Verantwortung in dieser dynamischen Medienlandschaft. Diese Forschungen konzentrieren sich auf verschiedene Aspekte, wie den Umgang mit persönlichen Daten, Gesundheitsinformationen, zivilem Leben, der Gig Economy und der Informationsökonomie. Insbesondere wird untersucht, wie digitale Selbstbestimmung in diesen Bereichen ausgeübt werden kann und sollte.[2]
2.1.1. Digitale Selbstbestimmung
Digitale Selbstbestimmung ist ein Konzept, das im Zuge der rasanten Entwicklung digitaler Technologien und der zunehmenden Vernetzung unserer Gesellschaft an Bedeutung gewinnt. Es bezieht sich auf die Fähigkeit von Individuen, Kontrolle über ihre persönlichen Daten und ihre digitale Präsenz auszuüben. Dies umfasst die Entscheidung darüber, welche Informationen geteilt werden, wie sie verwendet werden und wer Zugang zu ihnen hat.[3]
Die Ethik in der digitalen Ära ist geprägt von der Geschwindigkeit, mit der Informationen über digitale Kanäle verbreitet werden können. Diese Entwicklung stellt möglicherweise eine Herausforderung für die Einhaltung von Genauigkeit und Wahrhaftigkeit dar. Zusätzlich führt die Personalisierung der
Medien durch Algorithmen und das Entstehen von Echokammern möglicherweise zu einer Auseinandersetzung mit Fragen der Objektivität und pluralistischen Informationsvermittlung.
Die digitale Transformation bietet sowohl Herausforderungen als auch Chancen für die Medienethik. Einerseits eröffnet sie neue Wege für den Austausch und die Verbreitung von Informationen, andererseits erfordert sie eine ständige Anpassung und Überprüfung ethischer Standards. Die Verantwortung der Medienakteure, insbesondere der Journalisten, erhöht sich im Kontext der digitalen Medien, da sie nun direkt und unmittelbar mit ihrem Publikum interagieren können und dabei eine größere Verantwortung für die Verbreitung akkurater und verifizierter Informationen tragen.
2.2. Ethik in verschiedenen Medienformen
Die Ethik in verschiedenen Medienformen umfasst traditionelle Medien wie Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen sowie digitale Medien wie soziale Netzwerke, Blogs und Online-Plattformen. Jede dieser Medienformen bringt spezifische ethische Herausforderungen mit sich.
2.2.1. Traditionelle Medien
In traditionellen Medien dominieren professionelle Journalist:innen und Redaktionen, die ethische Standards wie Wahrhaftigkeit, Objektivität und Unabhängigkeit hochhalten. Diese Medien sind oft durch redaktionelle Richtlinien und professionelle Kodizes geprägt, die eine verantwortungsvolle Berichterstattung sicherstellen sollen.
2.2.2. Digitale Medien
Die digitale Transformation hat zu neuen Medienformen wie sozialen Netzwerken, Blogs und OnlinePlattformen geführt. Diese Medien ermöglichen es Nutzer:innen, Inhalte zu erstellen und zu verbreiten, oft ohne journalistischen Standards oder ethischen Richtlinien zu folgen. Die Grenzen zwischen Produzent:innen und Konsument:innen von Inhalten verschwimmen, was neue Herausforderungen in Bezug auf Datenschutz, Urheberrecht, Fehlinformationen und Hassrede mit sich bringt.[4]
2.2.3. Ethik in Sozialen Medien
Soziale Medien bieten ein Forum für die Verbreitung von Informationen und Meinungen, können aber auch Plattformen für Fehlinformationen, Hassrede und Manipulation sein. Die ethische Verantwortung erstreckt sich sowohl auf die Plattformbetreiber als auch auf die Nutzer:innen. Wichtig ist hierbei, einen verantwortungsvollen Umgang mit Informationen zu fördern und gleichzeitig die Meinungsfreiheit zu wahren.[5]
Die Ethik in verschiedenen Medienformen erfordert eine differenzierte Herangehensweise, die sowohl die Besonderheiten der einzelnen Medien als auch die sich verändernde Rolle der Medienakteur:innen berücksichtigt. Lösungsansätze umfassen die Entwicklung und Durchsetzung von ethischen Richtlinien, die Förderung von Medienkompetenz bei Nutzer:innen und die Stärkung der Transparenz und Verantwortlichkeit von Medienorganisationen.
Die Ethik in verschiedenen Medienformen erfordert also eine kontinuierliche Anpassung und Reflexion ethischer Normen und Praktiken, um den Herausforderungen einer sich schnell verändernden Medienlandschaft gerecht zu werden. Es ist wichtig, sowohl die Chancen als auch die Risiken, die mit traditionellen und digitalen Medien verbunden sind, zu erkennen und verantwortungsvolle Strategien zu entwickeln, um eine ethische Mediennutzung und -produktion zu fördern.
[1] Vgl. Ward, Stephen J. A. Introduction: Media Ethics in a Global Age. In: Ethics and the Media: An Introduction, Cambridge University Press, Cambridge, 2011.
[2] Vgl. Berkman Klein Center. The Ethics of Digitalization. Harvard University, 2021.
[3] Vgl. Krotz, Friedrich, Andreas Hepp. Mediatisierte Welten: Forschungsfelder und Beschreibungsansätze – Zur
Einleitung. In: Mediatisierte Welten. Germany: VS Verlag fur Sozialwissenschaften GmbH, 2012. S. 42f
[4] Vgl. Ward, Stephen J.A. Difficult Questions for Digital Media Ethics. Center for Journalism Ethics, University of Wisconsin-Madison.
[5] Vgl. Ebda.
3. Aktuelle Herausforderungen der Medienethik
In einer Ära, die von digitaler Transformation geprägt ist, ergeben sich neue Herausforderungen für verschiedene Medienakteur:innen, die teils über traditionelle ethische Dilemmata hinausgehen. Dieses Kapitel untersucht einige Herausforderungen in verschiedenen Kontexten. Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis der aktuellen ethischen Lage in der Medienlandschaft zu entwickeln.
3.1. Digitalisierung und Medienethik
Die rasche Entwicklung der Digitalisierung in den letzten Jahren hat in der Medienwelt weitreichende Auswirkungen auf die ethischen Herausforderungen mit sich gebracht. Im Zeitalter der Digitalisierung dienen Medien nicht nur als Informationsvermittelnde, sondern auch als komplexe Systeme, die von Algorithmen gesteuert sind und die Produktion, Verbreitung und Rezeption von Inhalten grundlegend transformieren.
Die digitale Transformation markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Medienethik. Im Gegensatz zu früher, wo die Medienethik auf Print- und Funkmedien beschränkt war, erstreckt sie sich nun auf eine breite Palette digitaler Medienformen. Die Geschichte der Medienethik wird durch die Anpassung an diese neuen Technologien und die Bewältigung der damit verbundenen Fragen nach der Ethik geprägt.[1]
Die Einführung neuer Technologien, darunter Big Data, KI und algorithmische Entscheidungsfindung, wirft ethische Fragen auf. Der Umgang mit großen Mengen an Daten und die Automatisierung von verschiedenen Prozessen bringen neue Herausforderungen für den Schutz der Privatsphäre und den verantwortungsbewussten Umgang mit Informationen mit sich.11
Die Digitalisierung betrifft eine Vielzahl von Medienformen, von traditionellen Nachrichtenagenturen bis hin zu sozialen Medienplattformen. Die Veränderung traditioneller journalistischer Praktiken durch digitale Innovationen erfordert eine ständige Anpassung ethischer Standard. So zum Beispiel Algorithmen, die eine zentrale Rolle bei der Auswahl und Personalisierung von Inhalten für bestimmte Nutzer:innen spielen. Die ethischen Implikationen der algorithmischen Entscheidungsfindung, wie etwa Filterblasen und Manipulation, stehen im Mittelpunkt medienethischer Diskussionen.[2]
[1] Vgl. Schauerte, Eva; Vehlken, Sebastian. Faktizitäten – Einleitung in den Schwerpunkt. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft. Heft 19: Faktizitäten, Jg. 10 (2018), Nr. 2. S. 10f. 11 Vgl. Schauerte, Vehlken. S. 17f.
[2] Vgl. Schauerte, Vehlken. S. 19f.
3.2. Verbreitung von Fehlinformationen
Die Verbreitung von Fehlinformationen, insbesondere in Form von Fake News und Desinformation, hat tiefgreifende Auswirkungen auf die öffentliche Meinung und das politische Klima. Fake News, definiert als falsche oder irreführende Medieninhalte, werden intensiv in bestimmten Kreisen konsumiert und geteilt, oft von hochmotivierten Mediennutzer:innen, die ein geringes Vertrauen in politische und mediale Institutionen haben. Die öffentliche Debatte um Fake News gewann an Bedeutung nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten und dem Brexit-Referendum. Die Europäische Union hat Initiativen wie „EU vs. Disinfo“ und das European Digital Media Observatory eingerichtet, um Desinformationskampagnen zu bekämpfen. Die wachsende Besorgnis über die Auswirkungen von Fehlinformationen spiegelt sich in einem Anstieg der medialen und wissenschaftlichen Aufmerksamkeit für das Thema wider.[1]
[1] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung. Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). In: Das Rechtslexikon. Begriffe, Grundlagen, Zusammenhänge, herausgegeben von Lennart Alexy, Andreas Fisahn, Susanne Hähnchen, Tobias Mushoff, und Uwe Trepte, 2. Auflage. Bonn: J.H.W. Dietz Nachf., 2023.
3.3. Datenschutz und Privatsphäre
Ein weiterer Aspekt betrifft den Datenschutz und die Privatsphäre. In einer Zeit, in der persönliche Daten leicht zugänglich sind, entsteht die Notwendigkeit, ethische Richtlinien für den Umgang mit diesen Daten zu etablieren. Dies umfasst Fragen der Transparenz und der Verantwortung von Medienunternehmen im Umgang mit Nutzer:innendaten. In einer Welt, in der persönliche Daten leicht zugänglich und monetarisierbar sind, ist es wichtig, ethische Standards zu setzen, um die Privatsphäre der Menschen zu schützen. Dies beinhaltet die Frage, wie Medienunternehmen mit Nutzer:innendaten umgehen sollten und wie sie Transparenz in ihren Datenschutzpraktiken gewährleisten können. Darüber hinaus gewinnt also die Ethik in sozialen Medien immer mehr an Bedeutung. Die Rolle der sozialen Medien in der Gesellschaft erfordert eine sorgfältige Auseinandersetzung mit Fragen der Verantwortung und der ethischen Nutzung dieser Plattformen. Diese Herausforderungen erfordern nicht nur ein tiefes Verständnis, sondern auch eine ständige Anpassung der ethischen Richtlinien, um mit den sich schnell ändernden technologischen und gesellschaftlichen Landschaften mitzuhalten.[1] 15
Ein wesentlicher Aspekt ist die ethische Verantwortung von Medienunternehmen im Hinblick auf Datensammlung und die Verwendung dieser. Dies umfasst Fragen zur Transparenz der Verarbeitung der Daten, zur Einholung der Zustimmung der Nutzer:innen und zur Sicherstellung, dass die gesammelten Daten nicht missbraucht werden. Hierbei sind ethische Prinzipien wie Respekt vor der Autonomie der Personen und der Schutz ihrer Privatsphäre von zentraler Bedeutung. Ein weiterer Diskussionspunkt in der Medienethik ist die Verantwortung im Umgang der Konsument:innen sowohl als auch Produzent:innen mit den eigenen Daten und der der anderer. Zudem wird die Auswirkung der personalisierten Medien auf Datenschutz und Privatsphäre debattiert. Personalisierte Inhalte basieren auf der Analyse der Nutzer:innendaten, was die Grenzen der Datennutzung und die potenziellen Risiken für die Privatsphäre der Nutzer:innen aufwirft. Dies erfordert eine kritische Reflexion über die ethischen Grenzen der personalisierten Medien.[2]
Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen Meta Platforms Ireland Limited (ehemals Facebook Ireland Limited). Ein Blick in deren Datenschutzrichtlinie beschreibt, wie das Unternehmen Informationen über Nutzer:innen verarbeitet, um deren Produkte bereitzustellen.
Die Hauptpunkte beinhalten die Sammlung umfangreicher Informationen von Nutzer:innen, darunter persönliche Inhalte, Netzwerkinformationen, Gerätedaten und Informationen von Werbetreiber:innen und anderen Partner:innen. Diese Daten werden verwendet, um die Dienste für die Nutzer:innen zu personalisieren, Werbung anzupassen, die Sicherheit gewährleisten und mit ihnen zu kommunizieren. Darüber hinaus erlaubt sich Meta die Verbreitung der Informationen mit anderen Nutzer:innen, externen Partner:innen und Behörden unter bestimmten Umständen. Die Verarbeitung dieser Daten, ein weiterer Hauptpunkt, basiert auf verschiedenen Rechtsgrundlagen, welche die Einwilligung der Nutzer:innen und rechtlicher Verpflichtungen einschließen. Nutzer:innen haben gemäß der DatenschutzGrundverordnung gewisse Rechte, darunter das Recht auf Auskunft, Berichtigung und Löschung ihrer Daten. Meta speichert Daten, solange sie gebraucht werden, und löscht sie anschließend.[3]
Die alleinige Erhebung dieser Daten ist sehr umfangreich und schließt persönliche wie auch sensible Informationen ein. Diese umfangreiche Datenerhebung könnte Bedenken hinsichtlich des Eingriffs in die Privatsphäre der Nutzer:innen aufwerfen, dass die Daten möglicherweise missbraucht werden könnten. Die Erfassung von sensiblen Daten, wie in der Richtlinie definiert, einschließlich politischer Ansichten und Gesundheitsdaten, könnte im Widerspruch zu Datenschutzprinzipien wie denen der DSGVO stehen. Das Teilen von diesen Daten mit Dritten, insbesondere mit. Werbetreiber:innen und externen Partner:innen, stellt die Datensicherheit und den Schutz der Privatsphäre in Frage. Die Kontrolle der Nutzer:innen über die weitere Verwendung ihrer Daten scheint eingeschränkt, wie durch die Einstellungen zur Datenverarbeitung in den Nutzerkontoeinstellungen dargestellt.[4]
Hier wird bereits sichtbar, dass während die Nutzer:innen einen Überblick über die Nutzung deren Daten bekommen, es unbekannt bleibt, wo und für welche genaueren Zwecke diese schlussendlich verarbeitet werden. Auch bezüglich der Datenspeicherung und -löschung lässt sich der Konzern einiges an Spielraum übrig, wenn es darum geht, wann die Daten nicht mehr benötigt werden und somit als löschbar gelten. Ebenfalls bleibt unklar, ob durch die Komplexität und Unübersichtlichkeit dieser Datenschutzrichtlinien die Nutzer:innen tatsächlich genug informiert werden und freiwillig diese akzeptieren. Währenddessen ist es ohne diese Einwilligung nicht möglich, jegliche Produkte von Meta zu benutzen – dies schließt also beispielsweise Instagram, Facebook, Messenger und WhatsApp ein, Mainstream-Produkte die von Millionen von Nutzer:innen täglich genutzt werden. Hinsichtlich dessen könnte man davon ausgehen, dass einige, oder sogar viele, Nutzer:innen sich dessen unbewusst sind, welche Informationen sie mit ihrer Einwilligung dem Konzern zur Verfügung stellen.
[1] Vgl. Krotz, Friedrich, Andreas Hepp. Mediatisierte Welten: Forschungsfelder und Beschreibungsansätze – Zur Einleitung. In: Mediatisierte Welten. Germany: VS Verlag fur Sozialwissenschaften GmbH, 2012. S. 36f. 15 Vgl. Trattner, Christoph, Jannach, Dietmar, Motta, Enrico, et al. Responsible media technology and AI: challenges and research directions. In: AI Ethics 2, 2022. S. 585f.
[2] Ebda. S. 317f.
[3] Vgl. Instagram. Datenschutzrichtlinie. Irland, 2022.
[4] Vgl. Auman, Ann, Stos, Susan, & Burch, Elisabeth. Ethics Without Borders in a Digital Age. In: Journalism & Mass Communication Educator, 75(1), 2020. S. 10f.
3.4. Ethik in sozialen Medien
Im digitalen Zeitalter haben sich soziale Medien zu einem zentralen Bestandteil des gesellschaftlichen
Diskurses entwickelt. Diese Plattformen ermöglichen nicht nur die weitreichende Verbreitung von Informationen, sondern stellen auch eine Arena für ethische Herausforderungen dar. Eines der Kernprobleme ist das Auftreten von Hassrede und Online-Mobbing, die nicht nur individuelle Nutzer:innen betreffen, sondern auch das gesellschaftliche Klima beeinflussen. Hinzu kommt die Verbreitung von Desinformation, die eine Bedrohung für die informierte öffentliche Meinungsbildung darstellt.
Neben der bereits diskutierten Problematik von Hassrede und Desinformation sind Filterblasen und Echokammern zwei weitere wichtige Aspekte, die in diesem Kontext Beachtung verdienen. Filterblasen entstehen, wenn Algorithmen Nutzer:innen überwiegend mit Informationen versorgen, die ihren bestehenden Ansichten und Vorlieben entsprechen. Diese personalisierte Informationsauswahl kann dazu führen, dass Nutzer:innen nur noch ein eingeschränktes Spektrum an Meinungen und Perspektiven wahrnehmen. Echokammern verstärken diesen Effekt, indem sie Umgebungen schaffen, in denen sich gleichgesinnte Individuen gegenseitig in ihren Ansichten bestärken und kaum konträre Meinungen zulassen. Eine Studie zeigt, dass die Mehrheit der Online-Nachrichtenkonsumierenden sich überwiegend mit ideologisch ähnlichen Publikationen beschäftigt und fast ausschließlich einer Seite des politischen Spektrums ausgesetzt ist, was auf das Vorhandensein von Echokammern hinweist.[1]
Die ethische Dimension dieser Phänomene liegt in der potenziellen Gefahr einer zunehmenden Polarisierung und Fragmentierung der Gesellschaft. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Gestaltung von Algorithmen und der Rolle von Plattformbetreibern ist daher unerlässlich. Es bedarf einer transparenten und verantwortungsvollen Herangehensweise, um sicherzustellen, dass soziale Medien nicht nur die bestehenden Ansichten ihrer Nutzer:innen widerspiegeln, sondern auch den Zugang zu einer Vielfalt von Perspektiven und Meinungen ermöglichen.
[1] Vgl. Flaxman, Seth, Goel, Sharad, Rao, Justin M. Filter bubbles, echo chambers, and online news consumption. In: Public Opinion Quarterly, Bd. 80, Nr. S1, 2016. S. 298f.
4. Medienakteur:innen und ihre ethischen Verantwortlichkeiten
Die Medienlandschaft ist von einer Vielfalt an Akteur:innen geprägt, die maßgeblichen Einfluss auf die Produktion, Rezeption und Weiterverbreitung von Inhalten haben. Diese werden gemäß dieser Arbeit in folgende Hauptkategorien unterteilt: Konsument:innen, Journalist:innen und Medienorganisationen. Jede dieser Gruppen trägt spezifische ethische Verantwortlichkeiten, die einen fundamentalen Beitrag zur Schaffung einer ethisch verantwortlichen Medienumgebung leisten können.
4.1. Ethik für Konsument:innen
Durch die verschiedenen Herausforderungen in der Medienlandschaft kommen auch Problematiken innerhalb des Konsums auf. Die Art der Informationsaufnahme, die kritische Reflexion über die aufgenommenen Inhalte und die Interaktion mit den digitalen Räumen beeinflussen die Dynamik und Qualität der Medien.
Für Konsument:innen besteht die Gefahr der Desinformation, der sogenannten „Fake News“ und manipulativer Praktiken wie Clickbait. Dadurch werden sie mit einer zunehmenden Konfrontation mit der Desinformation und der Verbreitung dessen ausgesetzt, wodurch die Meinungsbildung und Entscheidungsfindung beeinträchtigt werden und eine Verzerrung der kognitiven Realität induziert wird.[1]
Ebenfalls ist die Thematik der Privatsphäre und Überwachung eine Herausforderung, in welcher persönliche Daten ohne die aktive Zustimmung genutzt werden, in potenziellem Konflikt mit grundlegenden Datenschutzprinzipien stehen und dem latenten Risiko des Missbrauchs dieser Informationen ausgesetzt sind. Zugleich gibt es die Problematik des Sensationsjournalismus und der Anwendung von Clickbait-Praktiken, die nicht nur die Qualität, sondern auch die Objektivität der gebotenen Informationen in den Fokus manipulativer Strategien rückt, deren primärer Fokus auf der Generierung von Aufmerksamkeit liegt.21
[1] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung. Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). In: Das Rechtslexikon. Begriffe, Grundlagen, Zusammenhänge, herausgegeben von Lennart Alexy, Andreas Fisahn, Susanne Hähnchen, Tobias Mushoff, und Uwe Trepte, 2. Auflage. Bonn: J.H.W. Dietz Nachf., 2023. 21 Vgl. Schauerte, Vehlken. S. 16f.
4.1.1. Lösungsansätze und Verantwortung
Während Konsumierende vor verschiedenen ethischen Herausforderungen stehen, leistet die Medienethik einen wesentlichen Beitrag dazu, diesen Herausforderungen zu begegnen.
Ein zentraler Aspekt ist die selbstständige Überprüfung von Informationen. Dabei hilft die Anwendung von Heuristiken wie die „Consistency Heuretic“. Konsument:innen sollten verschiedene Quellen kritisch hinterfragen und sicherstellen, dass die ihnen präsentierten Informationen konsistent sind. Dadurch können etwaige Fehlinformationen und deren Verbreitung vermieden werden, wobei eine informierte Entscheidungsgrundlage geschaffen wird.[1]
Eine weitere zentrale Rolle spielt die kritische Reflexion visueller und textlicher Aspekte. Dies ermöglicht die „Expectancy Violation Heuristic“ – hierbei wird auf ungewöhnliche Elemente geachtet, die auf mögliche Manipulation hinweisen könnten. Eine kritische Haltung gegenüber Inhalten, die von den Erwartungen abweichen, ist essenziell für ein ethisch fundiertes Medienverhalten.[2]
Die Anwendung der „Persuasive Heuristic“ hilft dabei, kommerzielle Interessen zu erkennen und ermöglicht eine skeptische Haltung gegenüber offensichtlicher Werbung. Die Wahrnehmung dessen erfordert ebenfalls Bewusstsein, da dadurch das Verständnis für persuasive Absichten gefordert wird, wodurch ethisch informierte Entscheidungen getroffen werden können.[3]
Bei einer bewussten Teilnahme an sozialen Informationsquellen ist eine differenzierte Auswahl vertrauenswürdiger Quellen unabdingbar. Hierbei können durch die Anwendung der „Social Confirmation Heuristic“ Informationen aus sozialen Medien kritisch geprüft werden und gleichzeitig ihre Unabhängigkeit wahren. Es geht darum, nicht nur auf Bestätigungen und Empfehlungenzu achten, sondern auch sicherzustellen, dass diverse Meinungen und Quellen in die Bewertung einfließen.[4]
Die Bewertung der Professionalität von Medienquellen ist ein weiterer Schlüsselaspekt. Die „Professionalism Heuristic“ ermöglicht es Konsumenten, anhand von Grammatik, Layout und Design die Glaubwürdigkeit einer Quelle einzuschätzen. Eine professionelle Präsentation spricht für Glaubwürdigkeit, während Mängel auf mögliche Unzuverlässigkeit hinweisen können.[5]
Durch die konsequente Anwendung dieser Ansätze wird eine aktive und ethisch verantwortungsbewusste Teilnahme von Konsument:innen in der Medienlandschaft geschaffen. Der bewusste und kritische Umgang fördert nicht nur die individuelle Medienkompetenz, sondern trägt auch zur Schaffung einer ethisch verantwortungsbewussten Medienkultur bei.
[1] Vgl. Metzger, Miriam J., Flanagin, Andrew J.; Medders, Ryan B. Social and Heuristic Approaches to Credibility Evaluation Online In:Journal of Communication 60, Nr. 3, 2010. S. 428f.
[2] Ebda. S. 429f.
[3] Ebda. S. 432f.
[4] Ebda. S. 423f.
[5] Ebda. S. 431f.
4.2. Ethik für Journalist:innen
Journalist:innen stehen von der herausfordernden Verpflichtung, die Objektivität zu wahren und die Voreingenommenheit zu meiden. Hierbei wird sichtbar, dass der permanente Druck, der dadurch entsteht, einen ethischen Balanceakt darstellt. Sie müssen zwischen individuellen Meinungen und externen Einflüssen ausgewogen berichten, wobei sich der Konflikt zwischen dem Schutz von Quellen und der Bewahrung der Informationsfreiheit bildet, da Journalist:innen sich in der Dialektik zwischen Transparenz und dem Erfordernis des Schutzes von Informant:innen bewegen müssen. Die ethische Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit ist ein weiteres Problem, da eine sorgfältige Abwägung zwischen dem Recht auf Information und dem Vermeiden potenzieller Schäden durch unsachgemäße Berichterstattung erfordert wird.
4.2.1 Lösungsansätze und Verantwortung
Journalist:innen haben sowohl Rechte als auch Verantwortlichkeiten. Der Code of Ethics der Society of Professional Journalists bietet klare Richtlinien für ehrliches, faires und mutiges Sammeln, Berichten und Interpretieren von Informationen. Dies umfasst die Überprüfung der Genauigkeit von Informationen, die Identifizierung von Quellen und den verantwortungsvollen Umgang mit Anonymität.[1]
Wichtige Prinzipien umfassen die Verpflichtung zur Genauigkeit, Verifizierung und Wahrheit. Journalist:innen sollten Stereotypen vermeiden, die Vielfalt und Tragweite menschlicher Erfahrungen mutig darstellen und die öffentlichen und privaten Interessen ausgewogen berücksichtigen. Sie sollten Konflikte vermeiden, die ihre Integrität oder Unparteilichkeit beeinträchtigen könnten, und Transparenz in ihrer Arbeit wahren.[2]
[1] Vgl. Society of Professional Journalists. Code of Ethics. The Journalist’s Resource. 2014.
[2] Ebda.
4.3. Ethik für Medienorganisationen
Die Herausforderungen im Kontext von Medienorganisationen verstricken sich in einem komplexen Geflecht ethischer Überlegungen, die die Struktur und das Handeln solcher Institutionen prägen. Als Primärmotor gilt der wirtschaftliche Druck. Um die Aufmerksamkeit zu erwecken, werden Medienorganisationen mit einem Dilemma konfrontiert, ob sie sich für den ökonomischen Erfolg oder ethische Integrität entscheiden. Dies erfordert eine ausgewogene Strategie, um die Balance zwischen finanziellen Entscheidungen und der Bewahrung der journalistischen Qualität zu wahren.[1]
Hier wird sichtbar, dass die Sensationsgier, die in der Bestrebung nach Schlagzeilen verankert ist, das Risiko birgt, die inhaltliche Substanz und Richtigkeit zu vernachlässigen. Der Fokus auf reißerische Elemente kann dazu führen, dass bedeutende Nachrichten vernachlässigt werden oder dass Informationen auf überdramatisierte und verzerrte Weise dargestellt werden, um ein breiteres Publikum
zu erreichen. Zusätzlich dazu steht die Frage nach der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft im Mittelpunkt ethischer Überlegungen. Medienorganisationen spielen eine bedeutende Rolle als Informationsvermittelnde und Meinungsbildende in der Gesellschaft. Die ethische Verantwortung, genaue, balancierte und kontextualisierte Informationen zu verbreiten, steht im Widerspruch zum Druck, sofortige und eine breite Masse ansprechende Geschichten zu veröffentlichen.
[1] Ebda.
4.3.1. Lösungsansätze und Verantwortung
Medienorganisationen müssen ihre Rolle in der Gesellschaft ethisch reflektieren. Dies beinhalten die Schaffung und Aufrechterhaltung von Standards für ihre Inhalte und die Einhaltung von Datenschutzgesetzen. Ein wichtiger Aspekt der ethischen Reflexion besteht darin, sicherzustellen, dass ihre Plattformen nicht zur Verbreitung von Hassrede oder Desinformation missbraucht werden. Diese könnten erheblichen Schaden anrichten, indem sie Spaltungen in der Gesellschaft fördern und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Medien untergraben.[1]
Zusätzlich zu diesen Maßnahmen ist es wichtig, dass Medienorganisationen eine offene und transparente Kommunikation mit ihrem Publikum aufrechterhalten. Dies bedeutet, auf Kritik und Feedback zu reagieren, redaktionelle Entscheidungen zu erklären und die Community eventuell in die Gestaltung dieser Inhalte einzubeziehen. Durch diesen Dialog kann das Vertrauen zwischen den Nutzer:innen und der Organisationen aufgebaut werden und gleichzeitig den Bedürfnissen und Erwartungen der Gesellschaft gerecht werden.31
[1] Vgl. Krotz, Friedrich, Hepp, Andreas. Mediatisierte Welten: Forschungsfelder und Beschreibungsansätze – Zur Einleitung. In: Mediatisierte Welten. Germany: VS Verlag fur Sozialwissenschaften GmbH, 2012. S. 38f. 31 Vgl. Krotz, Hepp. S. 40f.
4.4. Internationale Unterschiede
Um sich die Frage der Medienethik zu stellen, sollten auch die internationalen Unterschiede betrachtet werden. Hierbei wird Instagram als Beispiel genommen. Die Datenschutzrichtlinien von Instagram in den USA und Europa, insbesondere im deutschsprachigen Raum, spiegeln die unterschiedlichen rechtlichen und kulturellen Ansätze zum Datenschutz wider. Diese Unterschiede beeinflussen die Handhabung von Nutzer:innendaten und Ausgestaltung von Datenschutzmaßnahmen durch das Unternehmen.
In Europa, insbesondere im deutschsprachigen Raum, wird der Datenschutz durch die DatenschutzGrundverordnung (DSGVO) geregelt. Die DSGVO ist eine umfassende Verordnung, die strenge Anforderungen an die Datenerfassung, -verarbeitung und -speicherung stellt. Sie gewährleistet ein hohes Maß an Transparenz und gibt Nutzer:innen weitreichende Rechte hinsichtlich ihrer persönlichen Daten. Unternehmen müssen explizite Einwilligungen für die Verarbeitung personenbezogener Daten einholen und Nutzer über die Verwendung ihrer Daten informieren. Zudem haben Nutzer:innen das Recht auf Zugang, Berichtigung, Löschung und Einschränkung der Verarbeitung ihrer Daten.[1]
Im Gegensatz dazu ist der Datenschutz in den USA weniger strikt geregelt. Es gibt keine umfassende, landesweit gültige Datenschutzgesetzgebung wie die DSGVO. Stattdessen existieren verschiedene bundesstaatliche und sektorale Gesetze, die bestimmte Aspekte des Datenschutzes abdecken. Unternehmen haben im Vergleich zu Europa mehr Freiheiten bei der Datenerfassung und -nutzung. Der Schwerpunkt liegt auf einem marktbasierten Ansatz, bei dem Nutzer selbst entscheiden, wie ihre Daten verwendet werden. Es gibt keine allgemeinen Anforderungen zur Einholung von Einwilligungen für die Datenverarbeitung, und die Rechte der Nutzer:innen in Bezug auf ihre Daten sind weniger umfassend.[2]
Ein markantes Beispiel für die Auswirkungen der DSGVO auf Unternehmen wie Instagram/Meta ist die im September 2022 verhängte Rekordstrafe von 405 Millionen Euro durch die irische Datenschutzkommission. Diese Strafe wurde aufgrund von Verstößen gegen die DSGVO ausgesprochen, insbesondere im Hinblick auf die Veröffentlichung von E-Mail-Adressen und Telefonnummern von Kindern, die Instagram-Business-Konten verwendeten. Dieser Fall ist signifikant, da er nicht nur die zweithöchste jemals unter der DSGVO verhängte Strafe darstellt, sondern auch die erste EU-weite Entscheidung zum Datenschutz von Kindern ist. Die DSGVO verlangt starke Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre von Kindern und stellt sicher, dass Dienste, die Kinder ansprechen, den Prinzipien der Transparenz und Rechenschaftspflicht gerecht werden.[3]
[1] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung. Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). In: Das Rechtslexikon. Begriffe, Grundlagen, Zusammenhänge, herausgegeben von Lennart Alexy, Andreas Fisahn, Susanne Hähnchen, Tobias Mushoff, und Uwe Trepte, 2. Auflage. Bonn: J.H.W. Dietz Nachf., 2023.
[2] Vgl. Instagram. About Instagram’s Data Policy. 2018
[3] Vgl. European Data Protection Board. Record fine for Instagram following EDPB intervention. 2022.
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit zur Medienethik in der digitalen Medienlandschaft zeigt auf, dass trotz der Herausforderungen, die sich aus der zunehmenden Digitalisierung und Komplexität der digitalen Ära ergeben, die Aufrechterhaltung ethischer Prinzipien unabdingbar ist. Wahrhaftigkeit, Objektivität, Unabhängigkeit und der Respekt von der Privatsphäre bleiben zentrale Säulen, um die Integrität und das Vertrauen in die Medien zu versichern. Die verschiedenen Fallbeispiele verdeutlichen, dass ethische Dilemmata in der Medienproduktion, -verbreitung und -rezeption bestehen, die ein Umdenken und eine Anpassung der traditionellen ethischen Richtlinien erfordern.
Es wird deutlich, dass Bildung und Aufklärung über Medienkompetenz sowie die Entwicklung und Einbringung klarer ethischer Richtlinien für Medienakteur:innen von großer Bedeutung sind. Dies schließt auch die Verantwortung der Konsumierenden ein, die sich von der Art und Weise, wie Medieninhalte produziert und verbreitet werden, bewusst sein sollten. Die Förderung eines verantwortungsbewussten Umgangs mit Medieninhalten und die Sensibilisierung für ethische Fragestellungen sind wesentlich, um die besprochenen Herausforderungen zu bewältigen. Die Bedeutung dieser Ergebnisse liegt nicht nur in der Identifikation spezifischer ethischer Dilemmata, sondern auch in der Eröffnung von Wegen für eine konstruktive Auseinandersetzung mit diesen Herausforderungen. Die Arbeit leistet einen Beitrag zur aktuellen Debatte, indem sie aufzeigt, wie gewisse ethische Prinzipien in der Praxis verankert und im Zuge der technologischen Entwicklung angepasst werden können. Damit werden sowohl Akademiker:innen als auch Praktiker:innen neue Perspektiven auf die Verantwortlichkeiten im medialen Handeln geboten.
Trotz der umfassenden Analyse unterliegt die Untersuchung gewissen Limitationen, die vor allem in der begrenzten Reichweite der Fallbeispiele und der Dynamik digitaler Medien begründet liegen. Ebenfalls spielt die Einschränkung der Länge der Arbeit eine große Rolle, da eine genauere Auseinandersetzung weitere Denkmethoden und längere Auseinandersetzungen erfordern würde. Diese Einschränkungen verdeutlichen jedoch die Notwendigkeit weiterer Forschung, die sich mit der stetigen Evolution digitaler Medien und deren ethischen Implikationen auseinandersetzt.
Die praktischen Implikationen sind weitrechend und betreffen verschiedene Akteur:innen der Medienlandschaft. Für Medienprofis bieten die Ergebnisse Orientierungshilfen, wie ethische Standards in der täglichen Arbeit integriert und aufrechterhalten werden können. Darüber hinaus unterstreichen sie die Bedeutung einer transparenten Kommunikation und verantwortungsvollen Inhaltsvermittlung gegenüber dem Publikum.
In Anbetracht dieser Arbeit lässt sich eine umfassende, durch das neue Wissen überarbeitete, Definition der Medienethik feststellen. Diese sieht Medienethik nicht nur als einen systematischen Ansatz, der ethische Prinzipien in der Medienlandschaft etabliert, sondern auch als einen dynamischen Rahmen, der alle Beteiligten, also Jorunalist:innen, Medienunternehmen, Nutzer:innen sowie auch technologische Akteur:innen, zur Verantwortung zieht. Die fortwährende moralische Reflexion und das kritische Hinterfragen sind in Anbetracht der sich ständig weiterentwickelnden Medienlandschaft unabdingbar.
Abschließend verdeutlicht diese Analyse, dass Medienethik eine fundamentale Komponente bei der Prägung einer ethisch fundierten digitalen Medienlandschaft ist. Die Anforderungen der digitalen Zeit bedürfen eines bewussten und durchdachten Umgangs mit ethischen Standards. Die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen ist nicht nur eine akademische Übung, sondern eine zwingende Notwendigkeit, um die Integrität und Glaubwürdigkeit medialer Inhalte zu wahren. Indem diese Diskussion in der Gesellschaft vorangetrieben wird, wird dazu beigetragen, ein Bewusstsein für die Bedeutung ethischer Überlegungen im digitalen Zeitalter zu schaffen und einen Rahmen für verantwortungsbewusstes Handeln in der Medienbranche zu etablieren.
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